Armaflex ist das bekannteste Dämmmaterial unter Camper-Ausbauern – und genau deshalb wird es oft gekauft, ohne die Varianten zu vergleichen. Die Serien sind für unterschiedliche Einsatzbereiche gedacht und unterscheiden sich in Kennwerten und Ausstattung. Dieser Ratgeber sortiert die Varianten nach Herstellerangaben, zeigt eine Alternative und erklärt, worauf es beim Ausbau ankommt.
Warum im Camper überhaupt gedämmt wird
Die Dämmung kommt beim Ausbau früh dran, weil danach fast nichts mehr zugänglich ist. Sie erfüllt drei Aufgaben gleichzeitig:
- Temperatur. Sie bremst den Wärmestrom durch das Blech. Im Sommer heizt sich der Innenraum langsamer auf, im Winter kühlt er langsamer aus.
- Feuchtigkeit. Im Van wird geschlafen, gekocht und geatmet. Diese Feuchte kondensiert am kalten Blech, sammelt sich und kann zu Rost und Schimmel führen. Geschlossenzelliger Kautschuk hat einen hohen Wasserdampfdiffusionswiderstand und bremst so den Weg der Feuchte zum Blech. Das ist der wichtigste Grund, warum im Camper meist Kautschuk und nicht Mineralwolle verbaut wird.
- Schall. Ein Kastenwagenblech schwingt – beim Fahren, bei Regen, bei jedem Türschlag. Die Dämmschicht kann einen Teil davon dämpfen.
Die Armaflex-Serien im Überblick
Armaflex AF – die Serie, die Armacell für den Camper empfiehlt
AF ist die hochwertigste Serie: Wärmeleitfähigkeit λ ≤ 0,033 W/(m·K) bei 0 °C, Wasserdampfdiffusionswiderstand μ ≥ 10.000, Brandverhalten B/BL-s3, d0 nach DIN EN 13501-1. Anwendungstemperatur –50 °C bis +110 °C.
AF enthält einen eingearbeiteten Microban®-Schutz gegen Bakterien und Schimmelpilze. Armacell selbst empfiehlt für den Camper-Ausbau AF/Armaflex in 19 mm. Ob der Zusatzschutz den Aufpreis gegenüber anderen Kautschukplatten wert ist, muss jeder für sich entscheiden. Klar ist: Er ersetzt keine sauber verklebte, dichte Dämmschicht.
Armaflex ACE Plus – ausgelegt für Rohrleitungen und Kanäle
ACE Plus ist laut Hersteller für die Dämmung von Rohrleitungen, Luftkanälen und Behältern in Klima-, Kälte-, Sanitär- und Heizungsanlagen vorgesehen. Die Kennwerte laut technischem Datenblatt (Armacell, Stand 10/2023): Wärmeleitfähigkeit λ = 0,035 W/(m·K) bei 0 °C (Platten), μ ≥ 10.000 für Platten bis 32 mm, Brandverhalten der Platten B-s3, d0, Anwendungstemperatur –50 °C bis +110 °C, bei vollflächiger Verklebung +85 °C. Angaben zu einem Schutz gegen Schimmel oder Bakterien enthält dieses Datenblatt nicht; maßgeblich ist die jeweils aktuelle Herstellerangabe.
Für den Camper-Ausbau nennt Armacell die Serie nicht. Wer sie trotzdem einsetzen möchte, sollte die Eignung vorab mit dem Hersteller klären.
Weitere Serien
Daneben gibt es Serien für den Heimwerkerbereich, etwa Armaflex XG oder Armaflex Home. Deren Kennwerte und Temperaturbereiche unterscheiden sich von AF; maßgeblich ist das jeweilige Herstellerdatenblatt.
Die Alternative: Kaiflex KKplus s3
Eine Alternative ist Kaiflex KKplus s3 von Kaimann. Der Dämmstoff ist für kälte- und klimatechnische Anlagen entwickelt, also für die Aufgabe, die auch im Camper ansteht: Tauwasser verhindern.
Laut Herstellerdatenblatt liegt die Wärmeleitfähigkeit bei λ ≤ 0,033 W/(m·K) bei 0 °C (unter 32 mm Dicke), der Diffusionswiderstand bei μ ≥ 10.000; eine zusätzliche Dampfbremse ist laut Hersteller nicht erforderlich. Das Brandverhalten der Platten gibt Kaimann mit B-s3, d0 an. In der Prüfung nach DIN EN ISO 846 zeigte das Material keinen Bewuchs durch Pilze und Bakterien. Erhältlich ist die Platte selbstklebend und nicht selbstklebend, jeweils im Karton von 10 m² in 10 mm bis 3 m² in 32 mm.
Unterm Strich: In Wärmeleitfähigkeit und Diffusionswiderstand liegt Kaiflex KKplus s3 laut Datenblatt auf dem Niveau von Armaflex AF.
Die Zahlen nebeneinander
| Armaflex AF | Kaiflex KKplus s3 | Armaflex ACE Plus | |
|---|---|---|---|
| Wärmeleitfähigkeit λ bei 0 °C | ≤ 0,033 W/(m·K) | ≤ 0,033 W/(m·K) (unter 32 mm) | 0,035 W/(m·K) (Platten) |
| Diffusionswiderstand μ | ≥ 10.000 | ≥ 10.000 (unter 32 mm) | ≥ 10.000 (Platten bis 32 mm) |
| Brandverhalten | B/BL-s3, d0 | B-s3, d0 (Platten) | B-s3, d0 (Platten) |
| Temperaturbereich | −50 bis +110 °C | −50 bis +85 °C (ebene Flächen) | −50 bis +110 °C, verklebt +85 °C |
| Schutz gegen Mikroben | ja (Microban®) | ja (ohne Biozide) | im Datenblatt 10/2023 nicht angegeben |
Angaben aus den Produktdatenblättern der Hersteller. Wo eine Angabe nicht gesichert vorliegt, steht der Verweis aufs Datenblatt – wir schätzen hier nichts.
Selbstklebend oder nicht?
Die selbstklebende Platte spart Zeit und den Kleber, kostet aber pro Quadratmeter mehr. Die nicht selbstklebende ist im Karton günstiger, verlangt dafür den Armaflex Kleber 520 und Geduld: Endfestigkeit erreicht der Kontaktkleber erst nach etwa 36 Stunden, verarbeitet wird bei ungefähr +20 °C und nie unter 0 °C.
Für den Camper-Ausbau ist die Rechnung meist eindeutig. An Radkästen, Holmen und Türinnenseiten arbeitet man mit vielen kleinen, krummen Zuschnitten – da spart selbstklebend viel Arbeit. Für große ebene Flächen an Seitenwand und Dach lohnt die nicht selbstklebende Variante aus dem Karton.
Wer erst einmal ausprobieren will, nimmt den Zuschnitt zu 1 m² – den gibt es in 10, 13, 19, 25 und 32 mm.
Welche Dämmstärke?
Im Van gilt nicht dieselbe Logik wie an der Heizungsleitung. Man dämmt nicht auf einen vorgeschriebenen Wert, sondern so dick, wie die Karosserie es hergibt, ohne dass innen der Platz verloren geht.
- 19 mm ist der übliche Kompromiss für Seitenwände und Dach eines Kastenwagens; diese Stärke nennt auch Armacell für den Camper.
- 10 bis 13 mm nimmt man dort, wo es eng wird: Türinnenseiten, Holme, Radkastenumgebung.
- 25 bis 32 mm kommen infrage, wenn der Van auch im Winter bewohnt wird und der Platz vorhanden ist.
Für die Menge: Fläche grob abmessen und rund 15 % Verschnitt aufschlagen. Bei einem Kastenwagen kommt mit Boden und Türen schnell mehr zusammen, als man schätzt.
Was außer der Platte noch gebraucht wird
- Mattenmesser mit Solinger Klinge – ein scharfes, langes Messer schneidet den Schaum sauberer als ein Cuttermesser.
- Armaflex Reiniger – das Blech muss fett- und staubfrei sein, sonst hält die Klebeschicht nicht.
- Kautschuk-Klebeband 50 × 3 mm – für jede Stoßkante. Eine offene Naht ist ein Loch in der Dampfsperre.
- Kleber 520 bei nicht selbstklebenden Platten.
Die drei Fehler, die man später sieht
Nähte offen gelassen. Die Dampfsperre ist nur so dicht wie ihre schwächste Stelle. An einer nicht abgeklebten Stoßkante kommt die Feuchte ans Blech. Jede Kante wird überklebt.
Auf ungereinigtes Blech geklebt. Neuwagenbleche sind oft konserviert, gebrauchte staubig. Ohne Reinigung kann sich die Platte wieder lösen.
Zweite Dampfsperre eingebaut. Geschlossenzelliger Kautschuk wirkt selbst als Dampfbremse. Eine zusätzliche Folie darüber kann einen Zwischenraum schaffen, in dem Feuchte eingesperrt wird. Im Zweifel die Vorgaben des Herstellers beachten.
Häufige Fragen
Ist Kaiflex gleichwertig zu Armaflex AF?
In den wichtigsten Kennwerten laut Datenblatt ja: Beide sind geschlossenzellige Elastomerschäume für Kälte- und Klimaanwendungen, die Wärmeleitfähigkeit liegt bei beiden bei λ ≤ 0,033 W/(m·K), beide bringen einen Schutz gegen Mikroorganismen mit. Unterschiede gibt es zum Beispiel beim Temperaturbereich.
Reicht 10 mm im Camper?
Für Türen und enge Holme ist 10 mm üblich, für Seitenwand und Dach ist 19 mm die gängigere Wahl.
Warum keine Steinwolle oder Glaswolle im Van?
Beide sind diffusionsoffen. Sie können Raumfeuchte aufnehmen und verlieren nass deutlich an Dämmwirkung – im Fahrzeug erhöht das das Risiko für Rost und Schimmel. Steinwolle ist ein guter Dämmstoff für Rohrleitungen und Brandschutz, für die Karosserie ist Kautschuk üblich.
Kann ich Armaflex-Platten und Kaiflex mischen?
Beides sind Elastomerschäume. Für Kleber und Klebeband an den Übergängen gelten die Vorgaben des jeweiligen Herstellers. Sinnvoll ist eine einheitliche Dämmstärke pro Fläche, damit die Verkleidung eben aufliegt.
Wie lange muss der Kleber trocknen?
Der Armaflex Kleber 520 ist ein Kontaktkleber: beidseitig auftragen, ablüften lassen, dann fügen. Die Endfestigkeit stellt sich nach rund 36 Stunden ein. Bis dahin nicht belasten und keine Verkleidung montieren. Die genauen Zeiten stehen auf dem Gebinde.
Kurz gefasst
Für den Camper empfiehlt Armacell AF/Armaflex in 19 mm. ACE Plus ist laut Hersteller für Rohrleitungen und Kanäle ausgelegt. Kaiflex KKplus s3 liegt in den zentralen Kennwerten auf dem Niveau von Armaflex AF und ist damit eine Alternative. Entscheidend ist am Ende vor allem die Ausführung: sauberes Blech, durchgängig abgeklebte Nähte, keine unnötige zweite Dampfsperre.
Das komplette Sortiment steht unter Kautschukmatten, das Montagematerial unter Armaflex & Kaiflex Zubehör.
Passende Produkte
Zum Thema dieses Beitrags passen zum Beispiel:
- Kaimann Kaiflex KKplus s3 Kautschukmatte selbstklebend – Karton
- Armaflex AF/EA Kautschukmatte selbstklebend Zuschnitt
- Armaflex 520 Kleber für Kautschuk-Dämmung
- Armaflex Reiniger für Kleber 520 & HT 625 – 1 Liter Dose
- Kautschuk-Klebeband selbstklebend 50 x 3 mm – 15 m Rolle
- Mattenmesser mit Solinger Klinge und Holzgriff für Dämmstoffe
Alle Angaben nach bestem Wissen, jedoch ohne Gewähr. Verbindlich sind das aktuelle Datenblatt und die Montageanleitung des jeweiligen Herstellers. Fragen zur Materialwahl beantworten wir telefonisch unter 02365 / 83111, Mo–Fr 8:00–16:00 Uhr.
